Faith that endures. The essential guide to the persecuted church.

Buchrezension von Boyd-MacMillan, Ronald: Faith that endures. The essential guide to the persecuted church. (DEUTSCH)

Boyd-MacMillan, Ronald: Faith that endures. The essential guide to the persecuted church. Lancaster: Sovereign World/ Grand Rapids: Revell, 2006, 364 p., UK-ISBN 1 85240 449 3, US-ISBN 978-0-8007-3119-9, Lb 11.99, US$ 14,99.

Das Buch hält, was der Titel verspricht: Es ist ein „wesentlicher Führer zur verfolgten Kirche“, der in Buchform eine Begegnung ermöglicht. Der Autor hat über 25 Jahrte lang verfolgte Christen besucht und über sie berichtet. Seine Abschlüsse in Politikwissenschaft und Theologie, sowie eine Ausbildung als Journalist helfen ihm, seine reiche Erfahrung und gründlichen Recherchen in das derzeit umfassendste und beste Handbuch zu Fakten, Hintergründen und Komplexität heutiger Christenverfolgung vorzulegen. Fünf Fragen leiten ihn dabei:

1. Wie sieht Verfolgung heutzutage aus?

Diejenigen, die ihr Leben für ihren Glauben lassen, bilden nur die Spitze des Eisbergs. Sie werden ermordet von Menschen, die ihren Gott, ihr kriminelles Syndikat, oder ihre Ehre damit retten wollen. Die Geschichten von Märtyrern sind dramatisch – jedoch für jeden von ihnen gibt es tausende von Christen, die lebend leiden. Am Beispiel von Indien zeigt der Autor auf, wie sich immer wieder ein Grundmuster wiederholt: Ein Machtvakuum wird von einem Drahtzieher ausgenützt um an die Macht zu kommen. Es werden Lügen verbreitet und so lange wiederholt, bis sie geglaubt werden und es werden Mobs aufgestachelt, um Chaos zu verbreiten, damit die Machtübernahme gelingt. Verfolgung hat selten nur einen, sondern meist eine Kombination von Gründen: Ideologie, Regierung, Familie, Kultur, Kirche(!), korrupte Individuen, und Übereifer von Christen.

2. Was ist Verfolgung?

Juristisch liegen Verletzungen der Religionsfreiheit vor, wenn eines der fünf grundlegenden Rechte verletzt wird: Das Recht seinen Glauben zu haben, zu praktizieren, zu verbreiten, zu wechseln und an seine Kinder weiterzugeben. Bei Berücksichtigung jeglicher Verletzung von Religionsfreiheit erleiden heutzutage ein Drittel aller Christen in der Welt 'Verfolgung'. Wenn nur extreme (gewaltsame) Formen berücksichtigt werden, sind immerhin noch 200-250 Millionen Christen betroffen. Ein juristische Definition reicht jedoch nicht aus, um die geistliche Realität voll zu erfassen, weshalb eine theologische Definition nötig ist: „Christenverfolgung ist jegliche Feindseligkeit, die ein Christ aufgrund seiner Identifikation mit Christus von Seiten der Welt erfährt. Dies kann feindselige Gefühle, Einstellungen, Worte und Taten umfassen“.

3. Wo findet Verfolgung statt?

Die vier hauptsächlichen 'Motoren' von Christenverfolgung heute sind religiöser Nationalismus, Islamischer Extremismus, totalitäre Unsicherheit und säkulare Intoleranz. Religiöser Nationalismus existiert dort, wo ein bestimmtes Gebiet oder eine bestimmte Kultur ausschließlich in religiösen Begriffen definiert wird. Dadurch werden Christen zu Bürgern zweiter Klasse, erfahren tag-tägliche Diskriminierung oder müssen im schlimmsten Fall fliehen. Islamischer Extremismus unterscheidet sich durch seine pan-nationale Vision davon, die die ganze Welt dem Islam einverleiben will. In totalitären Staaten versucht die politische Führung jeglichen Aspekt des Lebens zu kontrollieren. Wo Christen sich weigern sich dominieren zu lassen, werden sei als Bedrohung gesehen und verfolgt. Säkulare Intoleranz ist eine wachsende aber noch wenig beachtete Quelle von Verfolgung, die im Namen der Toleranz evangelistische Religionen einschränken möchte. Der Autor führt die Leser in diesem ausführlichsten Teil Region um Region rund um den Globus, wobei er innerhalb der Regionen differenziert und anschließend jeweils zwei Länder herausgreift, in denen die Entwicklung der Religionsfreiheit in Zukunft besonders beobachtet werden sollte: Columbia, Mexiko, Pakistan, Saudi Arabien, Nigerien, Eritrea, China, Sri Lanka, Frankreich und USA. Ergänzt wird dies durch eingeschobene Fallbespiele.

4. Wie helfen wir Verfolgten?

Nach Boyd-MacMillan ist Hilfe für Verfolgte kompliziert, kontrovers und verwirrend und kann bei mangelnder Sorgfalt mehr schaden als nutzen. Er kritisiert überhitzte Werbung und Übertreibung, Streit in Fragen der Strategie, Nachplappern von Regierungspropaganda durch ausländische Besucher und die Konzetration auf Dringendes statt Strategisches. Er diskutiert sieben Interventionsmethoden und wann diese angebracht sind. Gebet und Fürbitte sind immer angebracht und die erste Unterstützung, die verfolgte Christen erbitten. Sie sollten auf die Aufrichtung des Reiches Gottes ausgerichtet sein. Das Bekanntmachen von Verfolgung ist eigentlich immer richtig wenn es um größere Zusammenhänge geht, bei Einzelschicksalen ist aber große Sensibilität angebracht. Private Fürsprache kann durch einflußreiche Personen im Stillen geschehen, oder durch ermutigende Briefe and Gefangene oder Protest gegenüber Regierungen. Der Einsatz von Rechtsmitteln gibt einem Fall Öffentlichkeit, beschämt die Verfolger und stärkt Christen für ihre Rechte einzutreten. Illegale Methoden, wie Bibelschmuggel oder Bedrohte ausser Landes zu schleussen, sind nötig, wenn es keine legalen Wege zur Hilfe gibt. Politischer Druck von Politiker zu Politiker oder von Staat zu Staat zeigt manchmal Wirkung, aber seine Möglichkeiten werden nach Meinung des Autors von Christen am meisten überschätzt. Positives Engagement von (ausländischen) Christen in Verfolgungskontexten hat auch seinen Nutzen, bringt aber zugleich große Gefährdungen mit sich. Boyd-MacMillan argumentiert sehr differenziert und betont, dass all diese Interventionsmethoden ihren Nutzen haben und sich ergänzen. Grundvoraussetzung für ihren wirksamen Einsatz ist eine Vertrauensbeziehung zur verfolgten Kirche selbst. Weiter bietet der Autor willigen Unterstützern von entsprechenden Organisationen einige Auswahl- und Beurteilungskriterien zur Hand: Wird eine Beziehung zu verfolgten Christen hergestellt? Ist Gebet die oberste Priorität? Gibt es gesunde Rechenschaftsstrukturen? Besteht Wille zur Kooperation oder werden andere schlecht gemacht? Werden strategische Ziele verfolgt? Ist man sich der Komplexität bewußt? Hat sich die Organisation bewährt? Wie reagiert sie in Kontroversen?

5. Was können wir von Verfolgten lernen?

Dem Autor ist es wichtig, dass verfolgte Christen dem Rest des Leibes Christi etwas zu geben haben. Christen in größerer Freiheit werden von ihnen vor drei geistliche Fragen gestellt: Gehe ich den Weg des Kreuzes? Habe ich genug Probleme wegen Jesus? Ist mein Gott groß genug?
Ronald Boyd-MacMillan ist 'writer-at-large' für Open Doors International und war zuvor Asienkorrespondent für News Network International (1987-1991) und Redaktionschef des Asienbüros von Compass Direct (1996-2002). Sein Buch ist die beste allgemeinverständliche und  umfassende Bearbeitung der Fragen um Religionsfreiheit und Christenverfolgung aus einer evangelischen Perspektive. Eine Übersetzung ins Deutsche wäre wünschenswert.

Dr. Christof Sauer
(Internationales Instititut für Religionsfreiheit. Bonn – Kapstadt – Colombo. )